architektur

Sinn und Zweck der Architektur, neben den grundlegenden Funktionen der Gestaltung von Wänden und einem Dach zum Schutz vor der Witterung, ist in unserem speziellen Fall das Entstehen und Funktionieren einer harmonischen Gemeinschaft zu unterstützen. Da eine Gemeinschaft nur funktionieren kann, wenn sich ihre einzelnen Mitglieder wohl fühlen, sind ansprechende private Wohnbereiche grundlegend.

Aber auch Gemeinschaftsräume, quasi als Gefäße in denen die Begegnungen und ein Teil des Miteinanders stattfinden können, sind wichtig. Und natürlich der organische Übergang von völlig öffentlichen Bereich auf der Straße, wo viele fremde Menschen unterwegs sind, über den allgemein zugänglichen Bereich zwischen den Häusern, wo wir fast nur Menschen aus der Anlage treffen werden hin zu Gemeinschaftsbereichen im Haus. Zum Beispiel eine Eingangslobby, oder eine Gemeinschaftsküche mit Essraum, wo sich die Menschen aus dem eigenen Haus gegenseitig bekochen können oder zusammen einrexen, Feiern stattfinden oder den die Kinder bei Schlechtwetter als indoor-Spielraum nutzen. Der nächste Schritt ist der Gang auf dem Stockwerk, eine Art erweiteres Vorzimmer, das mit den unmittelbaren Nachbarn geteilt wird. Und von dort dann der Schritt in den familiären Rückzugsbereich.

Dann gibt es natürlich rein funktionelle Gemeinschaftsbereiche, wie Fahrradraum, Waschküche, Werkstatt oder ein gemeinsames Gästezimmer. 

Auch für die Erfüllung unserer Verantwortung der gesamten Schöpfung gegenüber, durch einen bescheidenen ökologischen Fußabdruck bei Wahrung hoher Lebensqualität, braucht es intelligente architektonische Lösungen.

Zero Carbon

Wir freuen uns, dass wir Teil des "Zero Carbon Village Lewari" geworden sind, ein Konzept das der Visionär und Biobauer Franz Mayer (der gegenwärtige Eigentümer unseres Grundstücks), der Schweizer Architekt Werner Schmidt, und Mitarbeiter der GrAT Gruppe Angepasst Technologie der TU Wien gemeinsam über mehrere Jahre entwickelt haben.

Das nachfolgenden Bildmaterial ist größtenteils noch aus dieser Zeit, und somit nicht völlig aktuell, weil wir einige Änderungswünsche hatten. So verlangt das Generationen-Wohnen nach barrierefreien Zugängen, und das Gemeinschaftsleben braucht auch Räumlichkeiten, in denen es stattfinden kann. Aber der optische Gesamteindruck wird sich nicht sehr verändern.

Der Bebauungsplan

An der Verteilung und Ausrichtung der Gebäude wird sich nicht mehr viel ändern. Die Abstände und die Sonnenausrichtung ergeben sich energietechnischen Anforderungen. Die Erschließung der Gebäude mit 12 Wohneinheiten (WE) wird sich noch ändern. Zur Erklärung: die Formen in dunklerem Grau sind die Gebäude, die darüber hinaus gehenden in hellerem Grau die beschattenden Dachflächen bzw. Balkone.

Die Freiraumgestaltung (Wege und Bäume) ist erstmal nur Deko - damit wird sich noch ein Team eingehend befassen. Dieses wird aus dem Architeckten und einem Permakultur Designer bestehen, und noch ein bis drei zukünftigen Bewohnern, sofern Interesse und vielleicht Expertise vorhanden ist. Vermutlich können wir auch die Anzahl der Parkplätze noch reduzieren - Carsharing, unsere ökologische Ausrichtung und die rege Inanspruchnahme von Lieferdiensten sollten das möglich machen. Die Versiegelung als Parkplatz ist sicher nicht die beste Verwendung von Land im Allgemeinen und Bauland im Speziellen.

Südansicht

Dies ist die (alte) Südansicht eines Zero Carbon Gebäudes mit 12 WE. Hier wollen wir die Erschließung zentral, also nur einen Eingang und ein Stiegenhaus mit Lift, und dieser Zugang soll barrierefrei sein. Aber der Rest wird sich nicht sehr ändern:

Das unterste Geschoß ist ca 1,5m abgesenkt (weil wir nur 11m hoch bauen dürfen), wobei jedoch zumindest südseitig vor dem Haus eine Absenkung sein wird, so dass man ebenerdig hinaus treten kann. In diesen Untergeschoßen werden Gemeinschaftsräume und Lagerabteile sein. Darüber sind drei Wohngeschoße, abgeschlossen mit einem weit vorspringenden Flachdach, auf dem sich Solaranlage und Photovoltaik befinden werden.

Die vertikalen grünen Säulen könnten Tafeltrauben sein, so dass auch die ganz oben wohnenden in 3 bis 4 Jahren Weitrauben auf dem Balkon ernten können.

Innenansichten

Das sind Computer-Renderings vom Zeichenprogramm des Architekten. Gemäsert das tragende Holz (Boden, Decke und Balken), das hellere Braun ist das Holz der Innenwände, und weiß der (geweißelte) Lehmverputz. Bzw. im Bild innen3 ist die dunkle, linke Wand offensichtlich ebenfalls eine lehmverputzte Innenwand. Unten ein paar Grundrisse dazu.

innen1innen4innen2
innen3innen1

Grundrisse

Einige Grundrisse von 45m2 bis 78m2, die sich noch geringfügig ändern werden, weil wir in den größeren Wohnungen Klo und Bad getrennt haben werden, und andere Eingangsbereiche.

62m2
45m2
78m2
62m2.1

Wohnungsgrößen

Noch ein paar Worte zu Dimensionierungen, Privatbesitz und der Finanzierung der Gemeinschaftsbereiche:
Es wird mindestens vier verschiedene Größen für private Wohneinheiten geben, von ca. 35m2 Einzimmer-Appartements bis zu ca. 80m2. Durch variable Innenwände können unterschiedliche Anzahlen von Räumen hergestellt werden, die größte kann bis zu 5 Zimmer beinhalten.

Wir sind uns bewusst, dass das die Quadratmeterzahlen für moderne, urbane Standards klein wirken. Dazu sei gesagt, dass das moderne Größer-Schneller-Besser nicht unbedingt in Übereinstimmung ist mit Ökologie oder Schöpfungsverantwortung. Auch entscheidet nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität.

Aber vor allem wollen wir die Aufmerksamkeit darauf richten, dass nicht nur die eigenen Privaträume, sondern auch die Gemeinschaftsräume Wohn-, Arbeits- und Lebensraum für jedes einzelne Mitglied dieses Wohnprojektes sind. In der Summe der beanspruchten umbauten Kubikmeter sind unsere addierten Wohnungen plus aller Gemeinschaftsräume sicher nicht kleiner, als die gleiche Anzahl moderner städtischer Wohnungen - nur dass im letzteren Fall der Ressourcenverbrauch größer ist, und das Miteinander, das Teilen und die daraus erwachsende Lebensfreude be- oder sogar verhindert werden.

In anderen Worten: der moderne, städtische Wohnsstil ist sowohl Ergebnis als auch wechselwirkende Ursache von Vereinzelung und Vereinsamung einerseits, und Ressourcenverbrauch andererseits. Wir beabsichtigen Schritte zu tun in Richtung einer neuen Bescheidenheit was umweltbelastende Ressourcen betrifft (Stichwort "Zero Carbon"), ohne dadurch Abstriche in Qualität der Materialien oder des Lebensgefühls zu machen. Und wir wollen definitiv mehr miteinander Tun und füreinander da Sein - und dafür braucht es auch physische Strukturen, die wir auch finanzieren und mit tragen werden.

Uns ist bewusst, dass unsere Ideen und Gewohnheiten in diesem Zusammenhang teilweise Produkte einer ent-solidarisierten und gemeinschaftsfeindlichen Kultur sind. Uns ist bewusst, dass wir vermutlich alle gewisse Lern- und vielleicht auch Heilungsprozesse vor uns haben, bis wir den gemeinsamen Raum vertrauensvoll und unbefangen für uns beanspruchen. Etwaige sich daraus ergebenden Konflkte wollen wir in Demut und Achtsamkeit bewältigen. Wir sehen sie als unvermeidliche Schritte für das Gewinnen unserer existenziellen Menschlichkeit und Beziehungsfähigkeit.