Konfliktlösungsprozess

Wir anerkennen, dass die Entwicklung einer funktionierenden und konstruktiven Konfliktkultur für die Nachhaltigkeit einer Gemeinschaft und für die Lebensqualität in derselben eine entscheidende Rolle spielt. Wir anerkennen, dass jeder von uns auf Grund der Sozialisierung unterschiedliche Konfliktverhalten mitbringt, und wir wollen uns gemeinsam die konstruktive und gemeinschaftsförderliche Konfliktkultur „Mediations-Kreis“ erarbeiten. Wir anerkennen, dass das ein Weg ist der seine Zeit braucht, dass wir Fehler machen werden und dass das OK ist. Wir anerkennen dass wir dazu einander brauchen, sowie die Bereitschaft zur Vergebung, Toleranz, und Kommunikation.

Mediations-Kreis (Konfliktlösung)

Beim Mediations-Kreis geht es um viel mehr als nur um das Lösen des gelegentlichen Konfliktes zwischen Vereinsmitgliedern, Nachbarn, oder Kolleg*innen am Arbeitsplatz. Konfliktlösung ist ein ganz grundlegender Teil in einem System ineinandergreifender Praktiken des Selbstmanagements. Es ist der Mechanismus, mittels dem die gleichberechtigten Mitglieder einander zur Rechenschaft ziehen über die gemeinsam übernommenen Verpflichtungen (zB pfleglicher Umgang mit gemeinsamen Ressourcen), oder Nachbarn einander zur Rechenschaft ziehen über die wechselseitigen Einflussnahmen (zB Lärmbelästigung).

Der Mediations-Kreis ist anwendbar auf jede Art von Meinungsverschiedenheit. Es kann um unterschiedliche Ansichten bezüglich einer inhaltlichen Entscheidung gehen, die getroffen werden muss. Es kann ein zwischenmenschlicher Konflikt sein. Es kann sich um einen Verstoß gegen vereinbarte Regeln oder Werte handeln. Oder es kann um ein leistungsbezogenes Thema gehen, wenn jemand meint, dass ein anderer seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Egal was das Thema ist, der Prozess beginnt damit, dass ein Mitglied (das mit einer Entscheidung und Handlung eines anderen Mitglieds „so nicht leben kann“ – im weiteren ‚Initiatorin‘ genannt), das andere Mitglied bittet, gemeinsam Einigung zu finden.

  • Im ersten Schritt setzen sie sich zu zweit zusammen, um es unter sich zu klären. Sie beginnen mit gemeinsamem Gebet oder einer Zeit der Versenkung und des nach innen Lauschens. Dann erklären sie einander ihre Standpunkte – die Initiatorin erklärt, was sie beobachtet oder um welche Entscheidung es geht, was das mit ihr macht und warum sie damit nicht leben kann. Die andere Person erklärt, wieso sie sich so entschieden hat, oder was sie zu der von der Initiatorin nicht tolerierbaren Handlung motiviert hat.
  • Dann muss die Initiatorin ein konkretes Anliegen äußern (kein Urteil, keine Forderung, sondern zB eine Modifikation zu der fraglichen Entscheidung oder Handlungsweise). Die andere Person muss sich klar dazu äußern (mit „ja, damit kann ich leben“, oder mit „nein, damit kann ich nicht leben“ um danach eine Modifikation des Vorschlags vorzuschlagen).
  • Das geht so lange hin und her, bis entweder eine Variante gefunden ist, mit der beide leben können, oder den beiden kein weiterer Vorschlag mehr einfällt, obwohl keine Einigung gefunden wurde.
  • Wenn sie keine für beide annehmbare Lösung finden nominieren sie ein weiteres Mitglied, dem beide vertrauen, als Mediator. Wenn sie sich dann zu dritt treffen, beginnen sie wieder mit Gebet oder stiller Versenkung. Dann unterstützt der Mediator die beiden dabei, Einigung zu erzielen, kann ihnen aber keine Lösung überstülpen.
  • Wenn die Mediation erfolglos ist, wird von den dreien eine Gruppe von Mitgliedern, die für das spezielle Thema relevant sind, zusammengerufen. Die Gruppe kann keine Lösung erzwingen, aber das etwaige gemeinsame Gebet und die gebündelte Aufmerksamkeit ist da schon sehr mächtig, und die Gruppe hat üblicherweise ausreichend spirituelle Gewichtigkeit, die die Angelegenheit zum Abschluss bringen oder zumindest einen nächsten für beide gangbaren Schritt aufzeigen kann (z.B. beide nehmen in der Angelegenheit separat Coaching, Seelsorge oder Therapie-Sitzungen in Anspruch).
  • Wenn auch das nicht hilft wird eine noch größere Gruppe zusammengerufen, und auch der Leitungskreis involviert. Wird ein kleiner Konflikt nicht befriedigend gelöst hat er das Potenzial, den gesamten Verein zu spalten.

Da die Meinungsverschiedenheit privat ist, wird von allen Beteiligten während und auch nach dem Prozess Verschwiegenheit erwartet. Das betrifft selbstverständlich auch die beiden Personen im Zentrum des Konflikts. Sie müssen ihre Meinungsverschiedenheit untereinander lösen, und den Konflikt tunlichst nicht ausweiten indem sie sich bei anderen Mitgliedern beschweren um „moralische Unterstützung“ zu suchen und rivalisierende Fraktionen aufbauen. Es kann jedoch, da in Österreich eine gesunde Konfliktkultur selten ist, bereits im ersten Schritt die Unterstützung eines internen Mediators gesucht werden.

Wir wollen rechtliche Schritte gegen andere Mitglieder nur ergreifen, wenn strafrechtliche Angelegenheiten vorliegen und wenn der eben beschriebene Konfliktlösungs-Prozess versagt hat.

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(In diesem Sinne schreiten wir voran, abwechselnd verzagt und vertrauensvoll, und sind dankbar für jedes Gebet und jeden freundlichen Gedanken.)

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