Grundkonsens

Dieser Grundkonsens stellt uns alle auf gemeinsamen Boden. Manche Punkte mögen selbstverständlich scheinen, andere weniger, aber es ist uns wichtig sie offen zu kommunizieren. So können sie von neuen Mitgliedern hinterfragt, verstanden, unterschrieben und letztlich weiter entwickelt werden:


Visionärer Zweck

Der Zweck von LivingSENSE ist es, ein in der heutigen Zeit unter den heutigen wirtschaftlichen und sozial-politischen Bedingungen alltags- und zukunftstaugliches Modell für ein alle Generationen übergreifendes, verbundenes und solidarisches Zusammenleben, in dem neben den sozialen Aspekten auch Naturnähe, Spiritualität, Ernährungssicherheit und Ernährungssouveränität gefördert werden und die Freiheit und Individualität jedes einzelnen Mitglieds gewahrt und respektiert werden. Das wollen wir für alle Projektmitglieder, aber auch als Modell und Vorbild für die breitere Öffentlichkeit.

Dieser visionäre Zweck kann und wird wahrscheinlich mit der Zeit reifen und sich entwickeln, in dem Maß wie das alle Projektmitglieder gestaltend und zustimmend mittragen. Dieser visionäre Zweck (in der jeweiligen Letztversion) ist auch dafür gedacht, für alle Mitglieder eine Hilfe und Richtlinie für alltägliche, gruppenwirksame Entscheidungen darzustellen.

Bereitschaft zur gegenseitigen Hilfe

Wir sind grundsätzlich offen und bereit, sowohl anderen Projektmitgliedern Hilfe und Unterstützung zu leisten, als auch selbst solche Hilfe und Unterstützung zu erbitten und anzunehmen, wenn wir ihrer bedürfen. Wir erkennen Kinder, alte, kranke und gebrechliche Menschen als besonders schützens- und unterstützenswürdig, d.h. dass wir diesen Personen unsere Hilfe auch proaktiv anbieten werden, wenn wir einen Bedarf zu erkennen meinen.

Diese gegenseitige Hilfe kann nicht eingefordert werden, und die Entscheidung, Hilfe zu geben oder zu verweigern, verbleibt beim Einzelnen und ist zu tolerieren. Wir sind uns jedoch bewusst, dass wir nach (v.a. nach wiederholter) Weigerung von anderen Mitgliedern aufgefordert werden können, uns zu erklären. Wir sind prinzipiell bereit, solche Fragen sowohl selbst zu stellen als auch zu beantworten. Kenntnis über die Hintergründe einer Entscheidung hilft uns dabei, tolerant zu sein – bzw. verbirgt sich ja möglicherweise eine eigene Hilfsbedürftigkeit hinter einer wiederholten Verweigerung.

Toleranz als Grundlage

Entgegen der um sich greifenden Tendenz (unterstützt von gewissen Begriffs-Überschneidungen) unterscheiden wir in -Übereinstimmung mit Duden und Wikipedia- zwischen Toleranz und Akzeptanz.

„Toleranz“ (vom lat. ‚tolerare‘: erdulden, ertragen) bedeutet Duldsamkeit, Aufgeschlossenheit, Entgegenkommen, Großmütigkeit, Menschlichkeit, Nachsicht, Offenheit, Verständnis, Vorurteilsfreiheit, Vorurteilslosigkeit. (Es hat auch die Bedeutungen Aufgeklärtheit und Freizügigkeit, um die es uns hier weniger geht). Toleranz ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten.

„Akzeptanz“ (von lat. ‚accipere‘ für gutheißen, annehmen, billigen) ist eine Substantivierung des Verbes akzeptieren, welches verstanden wird als annehmen, anerkennen, billigen, mit jemandem oder etwas einverstanden sein. Akzeptanz drückt über die Toleranz hinaus ein zustimmendes Werturteil aus.

Akzeptanz ist super wenn sie ehrlich aus dem Herzen kommt, aber sie lässt sich weder einfordern noch produzieren. Toleranz hingegen sehen wir als Voraussetzung für LivingSENSE. Wir wollen tolerant sein, auch dort wo es uns nicht leicht fällt. Wenn wir es einmal nicht schaffen, etwas zu tolerieren, ist das auch keine Tragödie – dann haben wir einen Konflikt. Und dafür gibt es so gut wie immer gute Lösungen (siehe Mediationskreis).

Respekt und Wertschätzung

Wir wollen einander respektvoll und wertschätzend begegnen. Wir sind uns bewusst, dass Respekt und Wertschätzung abstrakte Werte bzw. eine damit verknüpfte innere Haltung sind, die sich bei verschiedenen Menschen in sehr unterschiedlichen Handlungen niederschlagen können. Weil wir wollen, dass unser Respekt und die Wertschätzung beim jeweiligen Empfänger auch ankommen, erachten wir Kommunikation in diesem Punkt für wichtig. In dem Jahre und Jahrzehnte dauernden Prozess des einander kennen Lernens wollen wir voneinander auch die unterschiedlichen Ausdrucksformen von Respekt und Wertschätzung lernen und uns aufeinander einstellen.

Wenn wir von einem anderen Mitglied mit Verhaltensweisen konfrontiert werden, die wir als nicht respektvoll oder wertschätzend erleben, wollen wir davon ausgehen, dass sie vom anderen auf Grund unterschiedlicher Sozialisierung sehr wohl als wertschätzend intendiert sind. Auf der Basis dieser Annahme wollen wir einander frei von Angriff oder Vorwurf mitteilen, wie wir die Handlungen auf Grund unserer eigenen Sozialisation und Vergangenheit wahrgenommen haben.

Wir erkennen Vergebung als wichtige Methode zum friedlichen Zusammenleben, speziell in den Fällen wenns mal nicht funktioniert hat und Verletzungen stattgefunden haben. Wir wissen, dass sich Vergebung nicht einfordern lässt, wir beabsichtigen jedoch einander zu vergeben wenn nötig, so gut wir es schaffen.

Konfliktlösungen

Wir anerkennen, dass die Entwicklung einer funktionierenden und konstruktiven Konfliktkultur für die Nachhaltigkeit einer Gemeinschaft und für die Lebensqualität in derselben eine entscheidende Rolle spielt. Wir anerkennen, dass jeder von uns auf Grund der Sozialisierung unterschiedliche Konfliktverhalten mitbringt, und wir wollen uns gemeinsam die konstruktive und gemeinschaftsförderliche Konfliktkultur „Mediationskreis“ erarbeiten. Wir anerkennen, dass das ein Weg ist der seine Zeit brauchen wird, dass wir Fehler machen werden und dass das OK ist. Wir anerkennen dass wir dazu einander brauchen, sowie die Bereitschaft zur Vergebung, Toleranz, und Kommunikation.

 

Entscheidungen

Die meisten von uns, oder vielleicht auch alle, haben haben auch schlechte Erfahrungen mit der Entscheidungsfindung in Gruppen gemacht. Wir anerkennen, dass das ein heikler Themenbereich ist. Wir anerkennen, dass der konsentuelle Beratungs-Prozess eine Möglichkeit bietet, Entscheidungen jenseits von Gruppendynamik, Plenumsdiskussionen oder Machtausübung zu treffen. Wir wollen diesen Prozess lernen und für uns erarbeiten. Wir anerkennen, dass das ein Weg ist der seine Zeit brauchen wird, dass wir Fehler machen werden und dass das OK ist. Wir anerkennen dass wir dazu einander brauchen, sowie die Bereitschaft zur Vergebung, Toleranz, und Kommunikation.

Ein wichtiger Aspekt liegt dabei im Konsent versus Konsens:

Wir wollen sachbezogene Entscheidungen treffen, die die realen Bedürfnisse aller Betroffenen berücksichtigen. Deshalb wollen wir keine Mehrheitsentscheidungen (wo die Bedürfnisse etwaiger Minderheiten übergangen werden können), und keine Konsensentscheidungen (wo alle zustimmen müssen, und dadurch unbegründbare Vorlieben und Abneigungen Entscheidungen blockieren können). Die konstruktivste, agilste und harmonieförderndste Entscheidungsfindung die wir kennen ist derzeit die per Konsent. Da gilt eine Entscheidung dann als angenommen, wenn kein schwerwiegender Einwand dagegen vorgebracht wird.

Selbstversorgung + Vorratswirtschaft, Lokalität, Regionalität

Im Dienste der unmittelbaren Lebensqualität, der Ernährungssouveränität und der Ernährungssicherheit, sowie aus der Verantwortung gegenüber der Schöpfung im allgemeinen und unseren Nachkommen im Speziellen anerkennen wir den Wert der Selbstversorgung und der Vorratswirtschaft, und der kleinräumigen Stoffkreisläufe in Form möglichst nachhaltiger lokaler und regionaler Versorgung und Verwertung.

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Wohnprojekt LivingSENSE

im Zero Carbon Village "Lewari"
Gemeinlebarn, 3133 Traismauer

Post derzeit:
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info@livingsense.org

Wenn Gott das Haus nicht baut, arbeiten die Bauleute vergeblich.

— Psalm 127:1

 

(In diesem Sinne schreiten wir voran, abwechselnd verzagt und vertrauensvoll, und sind dankbar für jedes Gebet und jeden freundlichen Gedanken.)

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